08 Juni 2009

Abschiebung von etwa 100 Vietnamesen

Heute wird eine Sondermaschine von Berlin nach Hanoi starten mit etwa 100 vietnamesischen Flüchtlingen an Bord. Seit 1995 gibt es ein Rückführabkommen zwischen Deutschland und Vietnam, das damals vor allem die vielen DDR-Vertragsarbeiter im Blick hatte.

Unter den Abgeschobenen etliche sein, die schon seit Jahren hier leben, aber etwa durch Straffälligkeit ihr Aufenthaltsrecht verloren haben. In der Regel gelten die 100.000 in Deutschland lebenden Vietnamesen als eher gut integrierte Migrantengruppe.

Die größte Zahl der Abgeschobenen gehört zu einer wachsenden Gruppe von Neuzuzüglern, die - teils von Schleppern organisiert - illegal nach Deutschland kommen oder auf ihrer Durchreise in andere EU-Staaten aufgegriffen werden. Da viele von ihnen keine Papiere vorweisen, reisten kürzlich eigens vietnamesische Beamte an, die nach umstrittenen Vernehmungen die zur Abschiebung Vorgesehen als ihre Landsleute identifizierten.

In der Asylstatistik ist Vietnam im ersten Quartal 2009 an die dritte Stelle aller Herkunftsländer aufgerückt. Im April lag es mit 143 neuen Asylanträgen sogar auf Platz 2. Die Chance, als politisch verfolgt anerkannt zu werden, ist für Vietnamesen jedoch schlicht gleich Null.

Im Tagesspiegel wird die derzeit praktizierte Praxis der Rückführung beschrieben, ferner ein Interview mit Martin Stark, Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Berlin.