16 September 2011

HRW Bericht: Zwangsarbeit und Folter in Drogengefängnissen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte einen 121-seitigen Bericht „The Rehab Archipelago: Forced Labor and Other Abuses in Drug Detention Centers in Southern Vietnam“ über die Zustände in 14 Verwahranstalten Südvietnams.

Der Bericht schildert die Situation von Gefangenen in Vietnam, die wegen Drogenkonsums verhaftet werden und jahrelang ohne ordentliche Verfahren in Haft bleiben müssen. Während dieser Zeit müssen sie unbezahlt arbeiten, werden gefoltert und misshandelt. Die Betroffenen arbeiten sechs Tage pro Woche, etwa in der Verarbeitung von Cashew-Nüssen oder in der Bekleidungsproduktion.

Das vietnamesische Zwangsarbeitssystem für Drogenkonsumenten hat seinen Ursprung in der Doktrin „Umerziehung durch Arbeit“. Unter ihr wurden nach dem Sieg Nordvietnams im Jahr 1975 Arbeitslager für Drogenkonsumenten und Sexarbeiter eingerichtet. Diese Verwahrungseinrichtungen erhielten Mitte der 1990er Jahre neue politische Unterstützung, als die Regierung dafür eintrat, „soziale Missstände“ wie Drogenkonsum auszumerzen. Zeitgleich mit der Modernisierung der Wirtschaft wurde das System ausgebaut. Im Jahr 2000 existierten 56 Verwahrungseinrichtungen in Vietnam, Anfang 2011 waren es bereits 123.