26 Februar 2013

Ende der Hauskirchenbewegung?

Das Dekret 92, welches seit 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist, ersetzt das Dekret 22 von 2005 als Durchführungsverordnung der seit 2004 geltenden Verordnung über Religion und Glauben. Diese Rechtsverordnung leitete die Registrierung von Kirchen als Mittel zur Verwaltung und Kontrolle der Religion ein.

Der Grund für die Schaffung des neuen Dekrets 92 ist die angebliche Unklarheit des Dekrets 22, aber Kritiker aller Glaubensrichtungen stimmen darin überein, dass Dekret 92 viel restriktiver ist als die Verordnung des Dekrets von 2005. Sie stimmen ebenfalls darin überein, dass dieses neue Dekret 92 der Regierung weitere legale Möglichkeiten liefert, die Religionsausübung zu kontrollieren und auch zu unterdrücken.

Die vietnamesische evangelische Gemeinschaft (Vietnam Evangelical Fellowship,VEF), eine Dachorganisation von etwa 25 Hauskirchengemeinden behauptet, dass durch dieses Dekret die Hauskirchen in die Illegalität verbannt werden. Damit wird eine Bewegung bedroht, die sich vor 25 Jahren etabliert hat (1988). Ein Kritiker ist der protestantische Anwalt Nguyen Van Dai, der auf Grund seiner Aktivitäten zur Durchsetzung der Menschenrechte immer noch unter Hausarrest steht.

Kapitel III des Dekrets führt eine neue Unterscheidung ein zwischen "religiösen Treffen" und "religiösen Aktivitäten"; beide müssen registriert werden, bevor eine Organisation berechtigt ist, die volle legale Anerkennung zu erlangen. Religiöse Treffen werden auf das Beten beschränkt. Gemäß Artikel 3 der Verordnung sind einer Gemeinde nur religiöse Aktivitäten erlaubt, die der Verkündung und Praxis der religiösen Lehre dienen, der Durchführung von Riten sowie deren organisatorische Leitung.
Das Dekret bestimmt weiterhin, dass vor der Beantragung einer legalen Anerkennung einer Kirche in den 20 vergangenen Jahren keine zivilen oder kriminellen Vorfälle stattgefunden haben dürfen und zwar seit seiner ersten Registrierung für religiöse Aktivitäten. Der Anerkennungsprozess selber dauert dann weitere 3 Jahre.
Bisher nicht registrierte Kirchen müssen somit von diesem Jahr an 23 Jahre auf eine legale Registrierung warten.
Das Dekret stattet die Behörden damit mit Handwerkszeug aus, das eine sehr subjektive Beurteilung zuläßt, ob eine Kirche registriert werden kann oder nicht. Beispielsweise wird festgelegt, dass der religiöse Führer einen "Geist der nationalen Einheit und Versöhnung" aufweisen muss. In Artikel 5 wird als ein Kriterium für die Registrierung religöser Aktivitäten vorgeschrieben, dass diese nicht den nationalen Traditionen und Sitten widersprechen dürfen.

Besonders betroffen von diesem neuen Dekret sind zwei bereits seit langem registierte Kirchen, die evangelische Kirche Nordvietnams (ECVN-N), registriert seit 1958, und die evangelische Kirche Südvietnams, registiert seit 2001. Sie haben gemeinsame Wurzeln, wurden jedoch durch die Teilung des Landes 1954 ebenfalls getrennt. Seit langem arbeiten sie auf die Wiedervereinigung hin. Vor einem Jahr haben sie sich auf eine neue Verfassung geeinigt und diese zur Prüfung bei der nationalen Behörde für religöse Angelegenheiten zur Prüfung eingereicht.
Die zig hundert Kirchen der ethnischen Minoritäten der Hmong, die sich seit Jahren erfolglos um eine Registrierung bemühen, stehen unter der Aufsicht des ECVN-N. Aber selbst vor des Inkrafttretens des Dekrets 92 war es ECVN-N Führern nicht erlaubt, diese Kirchen aufzusuchen, weil sie nicht registriert sind.

Quellen: Morning Star News
Que Me: Action for Democracy
Asia News.it