20 April 2015

Abschiebung von 36 verfolgten Christen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Kambodschas Abschiebung von 36 Christen eines verfolgten indigenen Volkes nach Vietnam verurteilt. „Die zwangsweise Abschiebung der Ureinwohner ist eine grobe Verletzung der Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen, da den Flüchtlingen in Vietnam akute Gefahr für Leib und Leben droht“, erklärte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. 

Die 36 Angehörigen des Volkes der Jarai aus dem zentralen Hochland Vietnams waren – wie erst jetzt bekannt wurde - vergangenen Monat im Distrikt Kon Mom in der kambodschanischen Provinz Ratanakiri festgenommen und unverzüglich nach Vietnam abgeschoben worden. In Gewahrsam genommen wurde auch ein Kambodschaner, der ebenfalls der ethnischen Gruppe der Jarai angehört. Er wird beschuldigt, den Flüchtlingen Zuflucht gewährt und ihnen bei der Flucht in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh geholfen zu haben. „Wir sind sehr beunruhigt über den Exodus von indigenen Christen aus Vietnam. Seit Januar 2015 haben mindestens 70 vietnamesische Ureinwohner in Kambodscha Zuflucht gesucht“, erklärte Delius. Nach Angaben eines Behörden-Sprechers waren am 24. Februar im Bezirk Lumphat bereits vier indigene Flüchtlinge aus Vietnam festgenommen und in ihre Heimat abgeschoben worden. Weitere fünf Ureinwohner waren am 13. Februar gewaltsam nach Vietnam überstellt worden. 


Die rund 410.000 Jarai leben in Vietnam in den Provinzen Gia Lai, Kon Tum und Dak Lak im zentralen Bergland. Sie werden deshalb auch oft als „Montagnards“, als Bergbewohner bezeichnet. Sie leiden unter einer doppelten Verfolgung als Christen und als Indigene, die für den Respekt ihrer Landrechte eintreten. Viele Jarai sind protestantische Christen oder gehören staatlich nicht anerkannten Hauskirchen an und werden massiv in ihrer Glaubensausübung eingeschränkt. So werden Gottesdienste verboten, Bibeln beschlagnahmt und verbrannt, Pastoren verhaftet, Messen gewaltsam von der Polizei aufgelöst, Gläubige festgenommen und Kirchen zerstört.

Verfolgt werden die Montagnards aber auch wegen ihrer Proteste gegen den Raub ihres Landes. Die Ureinwohner verloren in den 90er-Jahren einen Großteil ihres Landes, auf dem nun Kaffee für den Export angebaut wird. Fast 20 Prozent dieser Kaffeeproduktion wurde im Jahr 2013 nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes nach Deutschland exportiert. 


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